Im Baum-Himmel vereint

Richtfest der Weidenkathedrale im Erfahrungsfeld der Sinne – eine Antwort auf Winnenden

 

Welzheim. Trotz aller Verzagtheiten, auch bei uns, wachsen noch die Bäume in den Himmel. Man muss nur der Natur helfen beim Sprießen. Und es braucht solch geniale Der-Natur-auf-die-Sprünge-Helfer wie die Betreiber des Erfahrungsfeldes der Sinne. Ihr Weidenkathedralen-Projekt feierte gestern Richtfest.

Die Natur, hilft man ihr etwas, kann ein noch besserer Baumeister sein als bekannt. Gegenüber des Laufenmühle-Bahnhofs stehen jetzt Grundmauern, sozusagen und nicht nur ansatzweise die Pfeiler für ein wahrlich alles überwölbendes Vorhaben. Fünf Meter hoch schossen schon die Triebe. Für die Tragsäulen wurde je ein Dutzend Weidenstecken so verdreht und mit Spax-Schrauben und Gummibändern fixiert, dass über Kirchenschiff und Chorraum eines Tages das Blätterdach geschlossen werden kann. Ein tragfähiges Dach symbolisch und tatsächlich sich schaffen lässt, das gut und gerne einen Menschen trägt. Allen Unbilden trotzt. Und drunter werden sie sich dann versammeln. Ad-hoc-Besucher, aber auch immer wieder Menschen, welche zum Gedenken an den 11. März 2009 hier sind.

900 Schüler haben bislang unter Anleitung von Profis gepflanzt und Gehölz zurechtgebogen. Viele darunter kamen aus der Albertville-Realschule. Deren Rektorin Astrid Hahn, eine Welzheimerin, gestern zum Richtfest auch erschien und sich nicht anders zeigen konnte als überwältigt.

Landrat Fuchs war’s, der noch einmal den einen Vater benannte in einem Verfahren, das am Ende viele Auf-den-Weg-Bringer kannte und kennt. Schließlich stecken 145 000 Euro Projektkosten drin, die EU (danke, Brüssel, danke, Geberland Deutschland) ist mit 62 000 beteiligt.

Es war so, Dieter Einhäuser und sein Team des Erfahrungfeldes Ein und Alles bastelten lange schon an der Idee, zum Erlebnispfad längs des Behindertenheimes Christophorus noch eine naturnahe Versammlungs- und innere Sammlungsstätte zu schaffen. Zu groß die Idee, zu teuer die Umsetzung, sagten sich die Betreiber der antrophosophischen Behinderteneinrichtung. Zunächst. Dann hallten die Pistolenschüsse herüber. Einhäuser: „Die Dramatik von Winnenden ist uns schwer unter die Haut gegangen. Wir wollten das in keinem Fall so stehenlassen.“ Einhäuser sprach den Landrat an. Wenige Wochen später kam’s zum Meeting, gleich mit den entscheidenden Leuten. Am Jahrestag des Schrecklichen rückte die Planierraupe fürs Plattformschaffen an. Und heute wachsen die Säulen samt den pflanzlichen Außenmauern längst allen Beteiligten über die Köpfe. Und alle wissen, da steckt noch viel Arbeit drin. Und freuen sich drauf.

(Winnender Zeitung 11.10.2010)

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