Die "Young Americans" schenken Winnender Schülern drei Tage Training mit Abschlusskonzert.
Am Ende ist alles bunt. Vierhundert Schüler aus Winnenden tauchen die Bühne der Fellbacher Schwabenlandhalle am Samstagabend (28.11.2009) mit ihren roten, gelben und blauen T-Shirts in ein Farbenmeer, wirbeln mit dem Armen, winken mit den Händen, singen und jubeln. Drei Tage lang sind sie von den "Young Americans", einer Gruppe von jungen Tanz- und Schauspielstudenten, für diese Aufführung trainiert worden. Den zahlreichen Eltern ist die Rührung über die Begeisterung ihrer Sprösslinge anzusehen. Auch wenn manche den Stimmungsumschwung, den die Amerikaner in so kurzer Zeit in der heute noch vom Amoklauf gezeichneten Stadt Winnenden vollbracht haben, anfangs nicht recht nachvollziehen können. "Habt ihr auch geübt so zu schreien?", fragt der Winnender Oberbürgermeister Bernhard Fritz, der so viel jugendlichen Beifall für seine Reden offenbar nicht gewohnt ist.
Doch das Geschenk, das die "Young Americans" finanziert von der Pricewaterhouse-Cooper-Stiftung (PwC) den Schulen im Umfeld der Albertville-Realschule gemacht haben, hat dankbare Abnehmer gefunden. "Ich hätte nie gedacht, dass tanzen und singen so viel Spaß macht", sagt Alexander, ein Sechstklässler aus dem Lessinggymnasium. Bei der Generalprobe und der abschließenden Show sieht man, was er damit meint. von den 44 Tanz- und Musicalstudenten betreut jeder eine Kleingruppe der Kinder- und Jugendlichen. Sie wirken hochkonzentriert, trotzdem fröhlich und motivierend. Sie zeigen den Schülern ihre Positionen, sie stehen ihnen bei Solo-Auftritten bei, sie sorgen für einen perfekten Ablauf, der dennoch nie hektisch wirkt.
Dass es sich bei den 44 Musicalstudenten um perfekte Performer handelt, wird im ersten Teil des Programms deutlich. Die Show beinhaltet alle amerikanischen Musikstile des vorigen Jahrhunderts, verpackt in eine Choreographie, in der jeder Tanzschritt sitzt. Die "Young Americans" leben von der Ausstrahlung ihrer Studenten im Alter von Anfang 20, aber sie wollen mehr sein als das. "Bis 1992 waren wir eine klassische Schule für den Film- und Showbusiness, dann wurde die Kehrtwende vollzogen", sagt Michael Heib, ihr Deutschland-Manager. Seitdem versteht sich die Schule als tanzpädagogisches Projekt, und zum festen Bestandteil gehören Welttourneen, bei denen viele Workshops ähnlich wie in Winnenden einen Benefizaspekt haben. Dazu gehörten auch viele Orte, an denen mit klassischer Pädagogik nicht mehr viel auszurichten ist. "Energiearbeit" nennt Michael Heib das Prinzip, nach dem die Studenten die Potentiale ihrer Schüler erspüren und motivierend auf sie einwirken. Man wolle einen Impuls dazu geben, dass sich die Pädagogik auf die Bedürfnisse der Schüler hin neu orientiere, erklärt Heib.
"Es freut mich, euch Kinder so begeistert zu sehen", sagt Astrid Hahn, die Rektorin der Albertville-Realschule, in ihren Dankesworten am Ende der Aufführung. Denn obwohl die Schüler in den Turnhallen drei Tage durch alle möglichen Übungen geführt wurden, wirkt keiner müde oder angestrengt. Mit Begeisterung hatten die Winnender Schüler im Programm mitgespielt und getanzt, das auf Ausschnitten aus "König der Löwen" beruht.
"Wir wollen mit unserer Arbeit einen Impuls geben", sagt Michael Heib. Die Aufnahme und das Vertrauen in Winnenden seien sehr groß gewesen, man könne sich vorstellen, wieder zu kommen. Wenn es nach Alexander, dem Sechsklässler aus dem Lessinggymnasium geht, brauchte man damit nicht so lange zu warten. "So etwas könnte es ruhig öfters im Unterricht geben", findet er.
Aus der Fellbacher Zeitung 30.11.2009 von Oliver Hillinger
